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Ein Untergrundpflänzchen

Martina Pfeifer Steiner ·

Wien. U-Bahn. Lärchenfeldgasse. Menschenmengen

zur Rushhour. Sie streben dem Ausgang zu. Franz hat

ein Mineralwasserfläschchen dabei. Das ist nichts

Besonderes. Es ist jedoch mit Leitungswasser gefüllt. Auf

der letzen Ebene vor der Treppe ins Freie macht er einen

geringen Bogen nach rechts und steuert auf die solitäre

Aschenbechersäule zu. Diese kann wohl maximal den zur

U-Bahn Strömenden nützen, falls man überhaupt noch

rauchen darf, im Untergrund. Franz hantiert mit seinem

Mineralwasserfläschchen, gießt es aus. Aber wieso wächst

da etwas Grünes? Ein Pflänzchen! Den Gänseblümchen

ähnlich, mit gelbem Köpfen, zarten weißen Blütenblättern,

solche gibt es beim Markt, um siebzig Cent. Anstelle

der ausgedrückten Stumpen wächst da tatsächlich ein

Pflänzchen! Franz kommt bei seinen Wegen täglich vorbei,

außer Sonntag. Er schaut täglich nach, außer Sonntag.

Ob es noch wächst. Vor drei Wochen hat er es gepflanzt.

Schaut so aus, als ob das Grün so guerillamäßig wirkt, dass

es mutwilligen Vandalenakten nicht ausgesetzt ist. Auf so

etwas waren alle nicht gefasst.

Unit Architektur · Baukultur im Unterricht · ein Projekt des Vorarlberger Architektur Institut